Herkunft und Entwicklung des Wappens

Eine Besiedlung des Gebiets des heutigen Weissrusslands lässt sich bereits im Mittelpaläolithikum (100 000 bis 40 000 Jahre v.Chr.) nachweisen, die ersten Siedlungen entstanden hier vor 27 000 bis 24 000 Jahren. Im 7. bis 9. Jahrhunderts waren auf belarussischem Gebiet die slawischen Stämme der Dragowitschi, Kriwitschi und Radimitschi ansässig, die teilweise aus dem Gebiet des Oderbruch (Grenzbereich BRD-Polen) stammen und durch germanische Expansion nach Osten abgedrängt wurden in sich im Bereich des Dneprtales ansiedelten.
Die Herleitung des Namens von Weißrussland ist umstritten. Es ist ungeklärt, ob vor der Warägerherrschaft bereits ein slawisches
Staatswesen bestand, die sich nach einem Dnepr-Nebenfluss Rus nannten, oder ob doch die Waräger die ersten Staatsgründer waren, die ihre schwedische Urheimat Roslag in dem Namen Rus verewigten.
Die ersten Staatsgebilde in diesem Raum waren die Fürstentümer Polozk,
Turow und Smolensk. Die Stadt Polozk ist seit 862 bekannt. Der erste urkundlich erwähnte Fürst, der Ende des 10. Jahrhunderts in Polozk regierte, war Rogwolod. Seine grösste Machtentfaltung erlangte das Fürstentum Polozk im 11. Jahrhundert unter Wseslaw, dem Zauberer. In gewissen Zeiträumen gerieten die Fürstentümer Polozk und Turow, wie auch andere Gebiete von Belarus, unter die Herrschaft von Kiewer Fürsten, mit der beginnenden feudalen Zersplitterung lösten sie sich in kleinere Teilfürstentümer auf.
Im 13. und 14. Jahrhundert wurde das Siedlungsgebiet der Weißrussen vom
Großfürstentum Litauen erobert. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Weißrussland ein Streitobjekt zwischen Litauen und Moskau. Der Frieden von Andrussowo im Jahre 1667 beließ Weißrussland bei Litauen. Erst mit den drei Polnischen Teilungen 1772, 1793 und 1795 wurde das weißrussische Gebiet nach und nach in das Russische Reich eingegliedert.
Nach dem Sturz des Zaren in Rußland bildete sich in Minsk die
Weißrussische Rada, ein All-Weißrussischen Kongress, der ein unabhängiges Weißrussland anstrebte. Im Februar 1918 wurde das weißrussische Gebiet von deutschen Truppen besetzt und am 25.03.1918 wurde durch den Rada in Minsk die Weißrussische Demokratische Republik, proklamiert.


Das nationale Symbol Weißrusslands Pahonia (kämpfender Reiter) ist jahrhunderte Jahre alt, zunächst nur galt es für ein bestimmtes Gebiet
Weißrusslands, später dann für das ganze Land. Diese Umformung in ein nationales Symbol ist an viele historische Ereignisse gebunden. Das Bild des fechtenden Reiters war in der Emblemkunst seit langer Zeit sehr beliebt, auf Münzen und auf Glanzstücken alter Zeiten. Dies ist nicht zufällig. Die beginnende Haltung des Pferdes als Haustier war ein sehr wichtiger Punkt in der menschlichen Geschichte. Hoch zu Ross hatten die Menschen viel mehr Vorteile einem Gehenden gegenüber, was Kraft und Geschwindigkeit anbetrifft. Dies ist auch in vielen Reiterdenkmälern festgehalten.
Das alte Pahoniasymbol wurde geformt in der frühen ostslawischen
Geschichte. Es ist erstmalig überlieferten Schriften des späten 13. Jahrhunderts nachweisbar. 
Die Regierung der Weißrussischen Demokratischen Republik wurde jedoch
1919 ins Exil vertrieben, im Januar 1919 proklamierten die Bolschewiki die Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik (WSSR).
Während des polnisch-sowjetischen Krieges 1919/20 wurde Weißrussland von
Polen besetzt. Am 11.07.1920 konnte durch die Rote Armee die Hauptstadt Minsk wieder zurückerobert werden. Im Frieden von Riga vom 18.03.1921 verzichtete die WSSR auf große Teile ihres Staatsgebietes, die bei Polen verblieben. 1922 wurde die WSSR eine Unionrepublik der UdSSR.


Bis 1937 waren die Initialen des Staates SSRW (in kyrillisch CCPB). Das
Wappen war nach dem Muster der Sowjetunion, deren Mitglied die Weißrussische SSR seit 1922 war. Es zeigte Hammer und Sichel über einer aufgehenden Sonne und dem Erdball. Über dem Hammer und der Sichel ist ein roter Stern. Das Ganze ist umgeben von einem Kranz aus Ähren und Eichenlaub. Der Kranz ist umschlungen von einem roten Band mit dem Spruch "Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" in vier Sprachen (weißrussisch, russisch, jiddisch und polnisch). Im unteren Teil des Bandes sind die Initialen des Staates.


Durch die Änderung der Staatsbezeichnung in Belorussische Sozialistische
Sowjetrepublik (BSSR) wurde das Wappen leicht modifiziert (Staatsbezeichnung im Schriftband).


Nach der Niederlage Polens zu Beginn des 2. Weltkriegs wurde der größte
Teil der 1919-21 an Polen verlorengegangen Gebiete aufgrund eines deutsch-sowjetischen Vertrages vom 28.09.1939 wieder in die Sowjetunion eingegliedert und dadurch Weißrußland angegliedert.
In den 40er Jahren wurde das Wappen erneut modifiziert. Das Eichenlaub
verschwand. Der Kranz bestand nun vollständig aus Ähren, die mit Klee und Leinblüten durchsetzt waren. Das Spruch war nun nur noch in den Sprachen weißrussisch und russisch gefasst.


Nach den politischen Veränderungen der "Perestroika" und dem damit verbundenen Zusammenbruch der UdSSR erfolgte am 27.07.1990 die
Souveränitätserklärung, am 25.08.1991 die Proklamation der Unabhängigkeit Weißrusslands, nun offiziell als "Respublika Belarus" bezeichnet. Damit wurde nun auch ein neues Staatswappen erforderlich. Zunächst griff man auf das bereits 1917 vom weißrussischen Kongress beschlossene "Pahonia" zurück.

Auf Grund der großen Ähnlichkeit mit dem litauischen Wappen wurde 1995 in einem Volksentscheid entschieden, das die Republik ein neues Wappen erhält.
Dies lehnt sich an das Wappen von 1940 an. Anstelle von Hammer und Sichel
ist der grüne Umriss der Landesgrenzen. Das rote Band wurde geändert in die neuen Nationalfarben rot und grün. Im unteren Teil des Bandes steht nun die Staatsbezeichnung "Republik Belarus" in belarussischer Sprache.