Der Reaktorunfall von Tschernobyl (Ukraine)

Der Reaktorunfall in Tschernobyl ist eine der schlimmsten, wenn nicht die schlimmste Katastrophe in der bisherigen Geschichte der menschlichen Zivilisation. In den radioaktiv verseuchten Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Belarus, Russland und Ukraine, hält die Strahlenbelastung an. Am stärksten betroffen ist Belarus, Hunderttausende sind ihr weiterhin ausgesetzt, von außen und durch belastete Lebensmittel. Seit der Katastrophe im Jahre 1986 ist die Zahl der Erkrankungen beträchtlich gestiegen, die Krebsfälle nehmen weiter deutlich zu.

Die Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs ist dramatisch angestiegen, vor allem sind auch junge Erwachsene betroffen. Die damals Kinder waren, sind nach 20 Jahren längst Erwachsene. Das erhöhte Krebsrisiko bleibt allerdings lebenslang bestehen!

Waren in den zehn Jahren vor Tschernobyl in Belarus bei Kindern nur insgesamt sieben Fälle von Schilddrüsenkrebs zu verzeichnen, so sind von 1986 bis Ende 2004 ca. 1.300 Kinder und Jugendliche daran erkrankt. Insgesamt stieg beim Schilddrüsenkrebs die Zahl der Neuerkrankungen von pro Jahr 123 Fälle/Jahr (1975-1984) auf über 1.000 Fälle/ Jahr (2002-2004). Mehr als die Hälfte davon betreffen den Oblast Gomel (einem Verwaltungsgebiet, größer als Baden-Württemberg).

Die Möglichkeiten einer qualifizierten Früherkennung und Diagnostik für Tumoren und für allgemeine Erkrankungen wurden dank der humanitären Hilfe aus dem Westen erheblich verbessert. Die Versorgung der Fachkliniken mit westlichen Therapiemitteln ist nach wie vor unentbehrlich.

Große Gebiete sind weiterhin unbewohnbar. In den angrenzenden Regionen mit erhöhtem Strahlenpegel hält die soziale Problematik an. Wegfall der Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft, Kosten der Energieversorgung, Beschaffung sauberer Lebensmittel usw. Viele Menschen sind ratlos. Gesundheitlich sind von den Folgen am stärksten die Menschen betroffen, die zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls in Tschernobyl am 26. April 1986 Kinder waren.