Schilddrüsenzentrum Gomel

Unter den medizinischen Hilfsprojekten des Otto Hug Strahleninstituts – MHM ist ein besonders wichtiges Projekt das Schilddrüsenzentrum in Gomel, der Hauptstadt des am stärksten betroffenen Gebietes in Belarus. Nach einjähriger Planungs- und Aufbauphase konnten in der dort neu eingerichteten medizinischen Einheit im März 1993 die ersten Patienten die notwendige Behandlung erhalten.

Aufgabe dieses Zentrum ist die Diagnose und Therapie von Funktionsstörungen der Schilddrüse und die Früherkennung von Schilddrüsenkrebs. Heute muss die Aufmerksamkeit bei den jungen Erwachsenen liegen, die zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls im April 1986 Kinder und Jugendliche waren oder die noch ungeboren im Leib ihrer Mutter heranwuchsen.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die normale Körperentwicklung und das ordnungsgemäße Funktionieren vieler Organe von der normgerechten Funktion (Hormonproduktion) der Schilddrüse abhängig. Im Schilddrüsenhormon ist das Element Jod enthalten. Das mit der Nahrung und Atmung in den Körper gelangte Jod wird von der Schilddrüse aus dem Blut aufgenommen und gespeichert. Durch den Reaktorunfall in Tschernobyl wurde sehr viel radioaktives Jod in die Umwelt freigesetzt und von den Menschen besonders in den hoch belasteten Gebieten um Tschernobyl unweigerlich aufgenommen. Weil das im Körper vorhandene (in diesem Fall das radioaktive) Jod in der Schilddrüse konzentriert wurde, konzentrierte sich die durch Jod bedingte Strahlenbelastung auf dieses kleine, aber so wichtige Organ. Dazu kommt noch, dass das Schilddrüsengewebe besonders strahlenempfindlich ist.

Die Folgen der Strahlenschädigung der Schilddrüse reichen von den Erkrankungen durch Schilddrüsenhormonmangel, knotigen Wucherungen, schweren chronischen Entzündungen bis hin zum Schilddrüsenkrebs. Die Behandlungsmöglichkeiten für Schilddrüsenerkrankungen sind heute gut, auch bei Schilddrüsenkrebs – eine frühzeitige Erkennung vorausgesetzt.

Das Schilddrüsenzentrum ist in der Endokrinologischen Poliklinik des Gebietes Gomel in Gomel eingerichtet. Ärzte aus dieser Poliklinik haben bereits an führenden Instituten in Deutschland eine Spezialausbildung der Diagnostik und internistischen Therapie von Schilddrüsenerkrankungen in allen notwendigen Teilaspekten (Sonographie, Hormonanalyse, Medikation, Dokumentation usw.) erhalten. Die Zahl der Patienten, die sich dort Heilung erhoffen, wächst ständig.
Bis April 2006 konnten über 120.000 Patienten medizinisch betreut werden. Dabei wurden 270.000 Laboranalysen von Schilddrüsenwerten durchgeführt.

Die Patienten mit Schilddrüsenkrebs werden im Klinisch-Onkologischen Dispensär in Gomel oder in anderen Gebietsfachkliniken operiert, die Nachsorge erfolgt am Schilddrüsenzentrum in Gomel, ebenso wie die Behandlung aller anderen Erkrankungen der Schilddrüse.
Die histologische Untersuchung der durch Operation entfernten Krebsgeschwülste zeigte bisher immer wieder, dass insbesondere bei jungen Patienten gehäuft gleichzeitig auch Autoimmun-Thyreoiditis vorlag und diese Erkrankungsform die Krebsentstehung offensichtlich begünstigt. Diese Befunde sind ein Beweis dafür, wie wichtig und erfolgreich es ist, die junge Bevölkerung der belasteten Regionen systematisch und regelmäßig zu untersuchen.

Die moderne Ausstattung des Laborbereiches im Schilddrüsenzentrum in Gomel ermöglicht Hormonuntersuchungen auf höchstem medizinischen Niveau (Lumineszenz-Immuno-Assays). Die regelmäßige Nachlieferung der Reagenzien und Testkits ist auf langer Zeit unverzichtbar. Die Kosten einer Untersuchung (Testkits, Verbrauchermaterial etc.) und bei Bedarf einer Behandlung betragen je Patient durchschnittlich 60,- EUR. Damit sind alle erforderlichen Aufwendungen für die Diagnose und Überwachung eines Patienten für ein Jahr gewährleistet.

Viele Kinder aus dem Oblast Gomel waren zu Ferien im westlichen Ländern. Oft sind sie schon junge Erwachsene geworden. Eine große Zahl von Gasteltern und von Organisationen möchte gerne „ihren“ Ferienkindern oder ihrer Kindergruppe auch eine medizinische Hilfe leisten. Mit dem Schilddrüsenzentrum in Gomel besteht die Gelegenheit, durch eine Kostenübernahme die Untersuchung zu ermöglichen.

Sprechen Sie das Otto Hug Institut gezielt an, wenn Sie „Ihr Kind“ oder „Ihre Kindergruppe“ oder „Ihre belarussischen Freunde“ zur Untersuchung in das Schilddrüsenzentrum in Gomel schicken möchten. Wir werden gerne eine umfassende Schilddrüsenuntersuchung organisieren. Auch wenn Sie persönlich keine junge Person aus dieser Region kennen, bitten wir um die Übernahme von Untersuchungspatenschaften (je Patient 60,- EUR), die Auswahl erfolgt dann durch unsere Ärzte und Fachleute in Gomel.

Immer mehr Menschen, auch junge Erwachsene, sogar noch Jugendliche, erkranken an Schilddrüsenkrebs. Das radioaktive Jod aus dem Tschernobylreaktor ist bereits seit vielen Jahren verschwunden und nicht mehr nachweisbar. Die Schädigung der Schilddrüsen erfolgte schon 1986, aber nach ärztlichem Wissen kann es viele Jahre, sogar Jahrzehnte dauern, bis das Krebsleiden zum Ausbruch kommt. Auch für die nach 1986 Geborenen ist wegen des erhöhten Strahlenpegels das Krebsrisiko, auch für die Schilddrüse, erhöht.
Die Heilungschance ist umso größer, je früher der Tumor entdeckt und behandelt wird. Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle in der Zukunft weiter ansteigen wird.